Aus Schandfleck wird jetzt ein Schmuckstück

Sanierung des Bahnhofsgebäudes und Verschönerung des Bahnhofsvorplatzes

Vielleicht wird aus dem Rheinsheimer Bahnhof mitsamt dem Außengelände ein Schmuckstück, ein Vorzeigegebäude auf einem Vorzeigeplatz? Dies hoffen Bürgermeister Stefan Martus und Ortsvorsteherin Jasmine Kirschner. Jedenfalls sind die Weichen dafür gestellt. Weiter voran geht der Ausbau im Inneren. Wer den einstigen Bahnhof betritt, ist überrascht. Werner Reiff, der neue Besitzer, hat in den vergangenen Jahren in Eigenarbeit, mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau Randi Michels, eine erstaunliche Aufwertung der Innenräume vorgenommen. Allerdings ist der frühere Schalter- und Warteraum mit Gepäckaufbewahrung noch nicht ganz fertiggestellt. Über die künftige Nutzung gibt es noch keine endgültige Entscheidung.

Klar ist: Die „Bahnhofsatmosphäre“ soll gewahrt bleiben. Deshalb bleiben etliche typische Bauelemente und Requisiten erhalten, etwa die alte Fahrkartenausgabe mit dem Drehhebel. Unter Dach und Fach ist bereits der etwa 75 Quadratmeter große Anbau. Dort wohnen jetzt zwei Syrer, die fleißig mithelfen, die restlichen Arbeiten zu erledigen. Aus dem großen Wartesaal wird möglicherweise ein Raum für Gruppenveranstaltungen. Die Ehefrau ist Heilpraktikerin und hat eine Praxis für Osteopathie und schamanische Seelenarbeit. Vielleicht kommt auch eine Vermietung als Wohnung in Frage – wie im Obergeschoss.

Das 1872 gebaute zweistöckige Bahnhofsgebäude plus 40 Ar Gelände hatte die Deutsche Bahn 2007 einem Luxemburger Kapitalanleger verkauft, der aber nichts für die Instandsetzung und Instandhaltung tat. So wurde daraus ein Schandfleck, ein weithin sichtbares Ärgernis. Der Rheinsheimer Bahnhof hat fast 150 Jahre auf dem Buckel. 1870 war zwischen dem badischen Bruchsal und dem pfälzischen Germersheim zunächst eine „Kriegsbahn“ eröffnet worden.

Dass das Gebäude – zumindest das Erdgeschoss mit dem Bahnhofsteil - nicht dem Verfall anheimfiel, ist der Ortsvorsteherin zu verdanken. Aufgrund ihrer Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit kam nach langer Zeit des Stillstands endlich ein Kontakt mit dem Grundstücksverwalter zustande, dann Verhandlungen. Dabei stellte sich die Frage nach einer möglichen Nutzung. Jasmine Kirschner machte sich auf die Suche – und spürte Werner Reiff auf. Am Ende aller Gespräche kaufte die Stadt Philippsburg das Bahnhofsgelände und verkaufte das Gebäude mit rund 12 Ar Außenfläche weiter.

Die nicht von Reiff erworbenen Flächen besitzt die Kommune. Auf der Ostseite sind jetzt etwa 30 Fahrradständer aufgestellt und etliche Parkplätze ausgewiesen. Doch ein Stück Bahnzugang gehört zur Bahn, das dringend auf Vordermann gebracht werden müsste. Ebenso das zugewucherte Bahnareal jenseits der Gleise. Laut Pressestelle der Bahn laufen derzeit Gespräche über einen Gestattungsvertrag mit der Stadtverwaltung. „Bleibt abzuwarten“, sagt Bürgermeister Stefan Martus.

Aus der einst verwilderten Außenanlage auf der Westseite ist inzwischen ein schmucker „Weltgarten“ entstanden. Die in Parzellen aufgeteilte Fläche bewirtschaften mehrere Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer unter der Regie der engagierten Julie Rau.

Bei der offiziellen Freigabe der Parkplätze und Fahrradunterstellmöglichkeiten wies Bürgermeister Stefan Martus auf die nicht unerheblichen Gesamtkosten von rund 90.000 Euro für die Stadt hin.

(Schmidhuber)

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