Unruhe und Unmut über unerwarteten Praxis-Wechsel nach Neudorf
Was wird aus der hausärztlichen Versorgung in Huttenheim?
Die überraschende Nachricht hat in der Bevölkerung, insbesondere in der jüngsten Gemeinderatssitzung, wie eine Bombe eingeschlagen. Fabian Müller übernimmt nicht die für ihn vorgesehenen Praxisräume in ehemaligen Rathaus Huttenheim, er hat sich plötzlich nach Neudorf umorientiert. Wie geht’s jetzt weiter? Was wird aus der künftigen hausärztlichen Versorgung im Stadtteil?
Bei der Bekanntgabe unter TOP „Verschiedenes“ beschränkte sich Bürgermeister Stefan Martus (Uli) zunächst auf wenige Sätze, die jedoch umgehend eine heftige Diskussion auslösten: An wem und was liegt es, dass die bedrückende Entscheidung zustande kam? Hans Gerd Coenen (CDU) sah Versäumnisse der Verwaltungsspitze. Für Jasmine Kirschner (LDP) stellte sich die Frage: Hätte mit einer schnelleren Gangart der Absprung verhindert werden können?
Alles Notwendige unternommen und vielfach Gespräche geführt zu haben, das versicherten einmütig der Rathauschef und auch Ortsvorsteher Peter Kremer - und listeten ihre Bemühungen auf. Am Tag nach der Gemeinderatssitzung meldete sich Fabian Müller in den Sozialen Medien zu Wort: Er werde zum 31. März 2026 seine bisherige Tätigkeit in Huttenheim beenden und sich künftig mit einer eigenen modernen und hochwertigen Praxis in Neudorf niederlassen. „Im Lauf der Zeit ergaben sich einige Hürden, die eine langfristige Perspektive unmöglich machten.“
In einem Vorab-Schreiben vom 22. Februar an Bürgermeister und Ortsvorsteher wählte Müller deutlichere Formulierungen. Dabei kritisierte er eine fehlende Plansicherheit und mangelnde Kommunikation. „Ich kann und werde das Risiko einer Praxisübernahme unter diesen Umständen nicht eingehen.“ Daher ziehe er sein mündliches Angebot zur Praxisüberahme zurück. In Neudorf habe er innerhalb von nur drei Wochen mit Hilfe der Gemeinde eine gute Lösung gefunden.
Dazu teilt Ortsvorsteher Peter Kremer (FW) seine Sicht der Dinge mit: „Diese Nachricht traf uns und die Praxis Paul Boros-Kirschner aus heiterem Himmel, da aktuelle Gespräche zur Übernahme der bestehenden Hausarztpraxis durch Müller auf den 1.April 2026 gerichtet waren. Das ist ein harter Schlag für die Bevölkerung. Viele Aussagen und Annahmen der letzten Monate sind ohne Wert.“
Der von der Stadt „ausgerollte rote Teppich“ zur langfristigen Miete einer neuen Praxis im gesamten Obergeschoss des Rathauses sei wohl mit besseren Konditionen überboten worden. Nochmals wies Kremer darauf hin, dass ein Ankauf der Räume im Rathausgebäude nicht möglich sei. „Wir wissen nicht, ob rein wirtschaftliche Erwägungen zu dieser Entscheidung geführt haben.“ Die Bemühungen zur nahtlosen Fortführung der Patientenversorgung gestalten sich nach Ansicht des Ortsvorstehers jetzt leider sehr schwierig. Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung, wird versichert.
Auf Facebook finden sich zahlreiche Kommentare. Zumeist wird der Wegzug nach Neudorf bedauert, teils wird die Frage nach den Hintergründen gestellt. So ist etwa zu lesen: „Ich bedaure das sehr, hatten wir doch alle gehofft, dass Sie uns in Huttenheim erhalten bleiben und die Praxis von Dr. Boros übernehmen.“ Unmut lässt die Aussage erkennen: „Huddene“ habe langsam, aber sicher bald gar nichts mehr. Eine weitere Bemerkung lautet: „Sehr schade. Was ging da nur schief?“
Laut Bürgermeister und Ortsvorsteher wurden alle Voraussetzungen für einen reibungslosen Übergang geschaffen. Doch Räume mitten im Rathaus lassen sich nicht verkaufen, nur vermieten. So wie in Rheinsheim. Eine Kombination aus Praxis und Wohnungseigentum könne nicht ermöglicht werden. Freimütig gaben beide Kommunalpolitiker ihre Vermutung preis, dass Graben-Neudorf eine lukrativere Offerte unterbreitet und Philippsburg mit Vergünstigungen ausgestochen habe. Martus bedauerte die Umstände und wies darauf hin, dass Müller seinem Mentor Boros „die Übernahme der Praxis in die Hand versprochen hat.“ Von daher sei der plötzliche Meinungsumschwung nicht nachvollziehbar.
Viel zu lange habe die Stadt auf die problematische Unterbringung in der Seniorenwohnanlage gesetzt, bis schließlich dem Vorschlag der CDU gefolgt wurde, das 1. OG im Rathaus als Alternative anzubieten, äußerte sich ein aufgeladener CDU-Fraktionschef Coenen. Von einem „falschen Spiel mit der Stadt“ sprach Christopher Moll (FW). Helga Steinel-Hofmann (Uli) warnte vor Schuldzuweisungen.
(W. Schmidhuber)