Voller Nussbaum für fünf Euro zu haben / Interesse an Obstbaumversteigerungen in Philippsburg lässt nach
Das Interesse an Obstbaumversteigerungen ist nicht mehr so groß wie früher. Lediglich fünf Männer nahmen in Philippsburg die Gelegenheit wahr, sich Nuss- oder Apfelbäume auf diesem Weg zu schnappen, um diese komplett abernten zu können. Früher beteiligten sich weitaus mehr Personen, äußerte sich Sina Unterhuber gegenüber der Presse. Schon seit über 20 Jahren kommen städtische Bäume sozusagen unter den Hammer, ergänzt die junge Dame von der Stadtverwaltung.
Zusammen mit der Männertruppe fuhr sie auf dem Fahrrad eine festgelegte Strecke ab und suchte mehrere Standorte auf, wo die Bäume stehen, die zum Abernten freigegeben waren. Alles in allem dürften es - wie in den Vorjahren - etwa 30 städtische Holzgewächse gewesen sein, darunter einige in beachtlicher Größe. Der Start erfolgte beim Friedhof, wo gleich erste Nussbaum angeboten wurde. Ruckzuck war das Ernterecht vergeben: für nur zwei Euro. „Ich habe sechs Kinder und zehn Enkel“, erklärt der türkischstämmige Steigerer auf Anfrage. Seine Familie habe viel Freude daran, die Nüsse zusammenzulesen und auch zu verzehren.
Ob zwei oder drei Euro: Diskussionen über die Höhe gibt es in der Regel nicht. Auch die später angefallenen fünf Euro werden bereitwillig bezahlt. Das sei so der Durchschnitt, sagt Unterhuber, die eine Handkasse mitführt und auch sogleich kassiert. In einem Extremfall kam vor einigen Jahren schon mal ein Betrag von 150 Euro für einen schönen vollen Baum zustande.
Meist gibt es nur einen Bieter. Man einigt sich. Kampfgebote sind out, auch diesmal. Ein Philippsburger holte gleich nach seinem Erwerb ein blaues Band aus seinem Fahrradkorb und umwickelte „seinen“ Baum als Zeichen: Er gehört jetzt mir. Bis zum vollständigen Abernten ist er jetzt mein Eigentum.
Steigern können nur Philippsburger, Ortsfremde nicht, heißt es. Jedes Jahr werde die Obstbaumversteigerung ausgeschrieben, lässt die Rathausmitarbeiterin wissen, die vor drei Jahren die Aufgabe von ihrer Vorgängerin übernommen hat.
Apfelbäume sind bei den älteren Philippsburgern gefragt, so die Erfahrungen. Auf Nachfrage bekannte ein Teilnehmer, dass er das Obst für seinen Haustrunk verwende. Schon sein Vater habe regelmäßig Most getrunken, zur Feldarbeit immer einen großen gefüllten Krug mitgenommen. Anders bei dem zweiten Steigerer mit türkischem Hintergrund, der sich gleich mehrere Nussbäume reservierte. Warum? Für Baklava, das traditionelle süße Gebäck aus hauchdünnem Filoteig, einer reichen Nussfüllung und süßem Zuckersirup.
Die Kirschbäume kamen schon vor etlichen Wochen zur Versteigerung. Nicht mehr zur Verfügung stehen Mirabellenbäume. Kein Interesse finden die säuerlichen Birnen. Nicht immer geht alles problemlos vonstatten. Vor einigen Jahren ist ein übereifriger Kirschbaum-Steigerer vom Baum gefallen und hat sich am ersten Tag den Fuß gebrochen. Von seinen Kirschen bekam er nichts mehr ab.
(W. Schmidhuber )